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So groß ist die geschlechtsspezifische Pensionslücke in Österreich

(kunid) Wie viel weniger an Pension bekommen hierzulande eigentlich Frauen im Vergleich zu Männern? Dieser Frage geht die Valida Vorsorge? und Pensionskasse gemeinsam mit dem Institut für Höhere Studien (IHS) alljährlich nach. Die Ergebnisse sind wieder bestürzend.

Das Ergebnis vorweg: Die relative Differenz im durchschnittlichen Pensionseinkommen von Frauen und Männern über 64 Jahren in Österreich ist mit 40 % hinter Japan die zweithöchste in der OECD.

Der OECD?Schnitt bei Pensionsunterschieden liegt bei 26 %.

Der Unterschied in den Pensionen zwischen Männern und Frauen in Österreich ist das Ergebnis unterschiedlicher beruflicher Werdegänge in den letzten Jahrzehnten und der Art und Weise, wie diese im Pensionssystem behandelt werden, erklärt Martin Kocher, Direktor des IHS.

Vollzeit als wichtiger Faktor

Das Pensionssystem hinkt naturgemäß den Angleichungen im Bereich der Löhne und Gehälter um Jahre bis Jahrzehnte hinterher: Unter den Vollzeitbeschäftigten verdienten im Jahr 2000 Frauen in der OECD durchschnittlich 18 % weniger als Männer. Hier lag Österreich im OECD?Schnitt.

Ein weiterer Grund für den Unterschied ist Teilzeitarbeit, da diese zu niedrigeren Löhnen und damit zu niedrigeren Pensionsbeiträgen führt.

Österreich weist bei der Teilzeitarbeit von Frauen mit 35 % die siebthöchste Rate unter den OECD?Ländern auf. Der OECD?Durchschnitt lag 2017 bei 22 %.

Frauen verfügen über deutlich weniger Einkommen aus kapitalgedeckten Pensionen. Hinzu kommt, dass lediglich 3 % der Pensionistinnen (und knapp 10 % der Pensionisten) in Österreich über ein regelmäßiges Einkommen aus einer betrieblichen oder privaten Pensionsversicherung verfügen.

Frauen seltener durch kapitalgedeckte Altersvorsorge abgesichert

Für Valida-CEO Martin Sardelic unterstreichen diese Zahlen die Notwendigkeit, den Ausbau der zweiten und dritten Säule voranzutreiben: „Ein Blick auf die aktuell beschäftigten Arbeitnehmer zeigt, dass Frauen seltener durch eine kapitalgedeckte Altersvorsorge abgesichert sind.“

Laut OECD waren 2014 in Österreich 13 % der Männer im arbeitsfähigen Alter, aber nur 8 % der Frauen betrieblich pensionsversichert.

Über eine private Altersvorsorge verfügten 15 % der Männer und 10 % der Frauen. Die Ausweitung betrieblicher Pensionskassenbeiträge auf sämtliche Branchen und Sektoren wäre daher ein wichtiger Schritt, um dieses Gefälle auszugleichen, sind sich Experten einig. Immerhin besteht auch die Möglichkeit, durch Eigenbeiträge die betriebliche Pensionskassenlösung zu stärken und damit das zusätzliche Einkommen im Alter weiter zu erhöhen.

Zweite und dritte Säule gehören ausgebaute

Fazit: Trotz der niedrigen Abdeckungsrate in Österreich zählt der absolute Unterschied zwischen Männern und Frauen hierzulande zu den höchsten in der OECD. Ein Hauptgrund dafür ist, laut dem IHS?Direktor, dass Frauen besonders oft in Sektoren angestellt sind, in denen die Abdeckung mit betrieblicher Altersvorsorge gering ist.

Freilich: Auch wenn man nur die Österreicherinnen und Österreicher betrachtet, die betrieblich oder privat für ihr Alter vorsorgen, zeigen sich erhebliche geschlechterspezifische Unterschiede. So ist das durchschnittliche freiwillig angesparte Pensionsvermögen von Männern aktuell mehr als doppelt so hoch wie das von Frauen.

Damit weist Österreich den größten Unterschied zwischen Männern und Frauen unter den betrachteten europäischen Ländern auf.

„Die genannten Zahlen deuten darauf hin, dass in Österreich auch in Zukunft auf absehbare Zeit signifikante geschlechterspezifische Pensionsunterschiede zu erwarten sind“, skizziert Sardelic die Aussichten für die kommenden Jahre und ergänzt: „Es sei denn, die Politik entschließt sich, aktiv gegenzusteuern und den Ausbau der zweiten und dritten Säule rasch anzugehen“. Überdies empfiehlt sich, Ihren Berater – jetzt! – zu fragen, wie Sie optimal vorsorgen können.

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