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Selbst ist die Frau: Vier goldene Finanz-Regeln „für sie“

(kunid) In den 1970er-Jahren machte die Frauenbewegung Emanzipation auch in Österreich zum Thema. Doch es gibt eine Bastion, in der die Männer seit jeher dominieren – und zwar, wenn es ums Geld geht. Frauen verdienen im Schnitt immer noch weniger, nehmen längere berufliche Auszeiten wegen der Kindererziehung, und arbeiten häufiger in Teilzeit. Vier goldene Regeln unterstützen Frauen jedoch dabei, finanziell besser auf eigenen Beinen zu stehen.

Rund und dem Weltfrauentag am 8. März ist auch dringend die Frage zu stellen: Wie sieht es denn mit der finanziellen Ausstattung der Frauen in Österreich aus?

Als Vorstand des Verbands Financial Planners (VFP) weiß Sonja Ebhart-Pfeiffer, welche Problemstellungen speziell Frauen in Geld-Angelegenheiten begegnen.

Die nachfolgenden Tipps sollen Frauen helfen, ihre Finanzen künftig noch selbstbewusster und besser in Angriff zu nehmen.

Unabhängigkeit: Weg mit der rosaroten Brille

Wer frei nach dem Prinzip „Mein Mann wird schon für mich sorgen“ in den Tag hineinlebt, erlebt mit ziemlicher Sicherheit im Laufe des Lebens böse Überraschungen. Was tun, wenn die Liebe scheitert? Überraschende Trennungen oder gar Schicksalsschläge sind nämlich keine Seltenheiten.

In solchen Fällen geraten viele Frauen in finanzielle Schwierigkeiten, weil sie sich nie eingehend mit dem Thema Geld beschäftigt haben, sie können dann ihren gewohnten Lebensstandard alleine – schon aufgrund des oftmals geringen Einkommens – nicht halten.

Denn während die langfristige Finanz- und Anlageplanung häufig Männersache bleibt, verwalten Frauen eher alltägliche Ausgaben. So trivial es auch klingt: Sich mit den eigenen Finanzen auseinanderzusetzen, ist das erste und oberste Gebot.

Zuallererst sollte also die finanzielle Ist-Situation erhoben werden. Es gilt, alle Einnahmen und Ausgaben zu definieren und im nächsten Schritt dann zu entscheiden, welchen monatlichen fixen Sparbetrag frau zur Seite legt.

Selbstbewusstsein: Verlangen, was Frau zusteht

Wir befinden uns im Jahr 2020 und trotzdem klafft die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen noch immer weit auseinander.

Auf dieses strukturelle Problem hat eine Einzelperson leider kaum Einfluss, allerdings können Frauen aktiv etwas tun, um ihre Chancen auf höheres Einkommen zu steigern: Viele Frauen bringen nicht den Mut auf, nach Gehaltserhöhungen zu fragen, sondern warten, bis der Vorgesetzte zu ihnen kommt.

Anlässe wie größere Verantwortung oder gelungene Projekte sollten aktiv genutzt werden, um zu verhandeln: Wer öfter fragt, erhöht auch seine Chancen.

Mut: Schweigen ist Silber, Reden ist Gold

Erfreulich ist: Im Allgemeinen steigt das Bewusstsein für das eigene Vermögen und damit auch die Nachfrage für Finanzberatung. Dies ist teilweise auf die Nullzinspolitik zurückzuführen, die auch viele Frauen veranlasst, Veranlagungen abseits des Sparbuches zu tätigen.

Generell lässt sich sonst beobachten, dass Frauen bei Anlageentscheidungen deutlich konservativer agieren als männliche Investoren, das belegen auch zahlreiche Studien.

Ein risiko-affines Anlageverhalten ist per se nicht schlecht, führt in extremer Ausprägung aber dazu, dass nur sehr niedrige Erträge erwirtschaftet werden, was einer inflationsbedingten Geldvernichtung gleichkommt, warnt Ebhart-Pfeiffer.

Solidarität: Baby-Rucksack nicht alleine schultern

Kinderbetreuung ist in Österreich immer noch hauptsächlich Frauensache – dieses Glück bezahlen Frauen mit Blick auf die eigene Pension aber recht teuer, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Sobald die Kinder etwas größer sind, steigen viele Frauen zwar wieder ins Berufsleben ein, sind aber meist nur teilzeitbeschäftigt – und das reißt ein Riesenloch in die Pension.

Die Höhe des Einkommens als Bemessungsgrundlage für die Pension wird nämlich über alle Berufsjahre hinweg gerechnet, nicht nur über die „Bestverdiener-Zeit“. Darüber hinaus werden – oft schon mit Eintritt der Schwangerschaft – alle laufenden Sparpläne in die Altersvorsorge gestoppt. „Ein großer Fehler“, so Ebhart-Pfeiffer, die in diesem Zusammenhang auch mehr Solidarität von den Männern einfordert: „Hier muss man auch die Väter der Kinder in die Verantwortung nehmen. Sie sollten innerhalb der Familie einen Ausgleich schaffen und die Altersvorsorge-Sparpläne ihrer Frauen übernehmen.“

Weiters gibt es auch die Möglichkeit, in der gesetzlichen Pensionsvorsorge ein sogenanntes Pensionssplitting zu beantragen. Wenn der Mann erwerbstätig ist und der Frau die Betreuung der gemeinsamen Kinder obliegt, kann ein freiwilliges Splitting für die ersten vier Lebensjahre des Kindes vereinbart werden. Die Frau erhält dann eine Gutschrift von ihrem Partner, die ihre eigene Pension erhöht.

Der Antrag muss bis zum vollendeten 7. Lebensjahr des Kindes gestellt werden. Das Pensionssplitting ist im neuen Regierungsprogramm als verpflichtend vorgesehen. Das wäre ein großer Fortschritt für alle Frauen und würde die Pensionslücke zumindest teilweise entschärfen, so Ebhart-Pfeiffer abschließend.

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