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Wo in Österreich die Erde bebt

(kunid) 98 % der Österreicher sehen Erdbeben nicht als relevante Gefahr. Dabei hat es in der Geschichte Österreichs verheerende Erdbeben gegeben, alle 75 Jahre muss hierzulande mit schweren Gebäudeschäden gerechnet werden. Erdbebensicheres Bauen, die Verstärkung von Altbauten und eine Auseinandersetzung mit dem richtigen Verhalten bei Erdbeben sind besonders wichtig, um Schäden möglichst gering zu halten.

Die heftigen Erschütterungen haben viele Menschen in Angst versetzt: Zahlreiche Gegenstände sind umgefallen, Bücher aus Regalen gefallen und Lampen haben stark gependelt. Auch leichte Schäden an Gebäuden sind gemeldet worden, hauptsächlich Risse im Verputz.

Dass auch hierzulande stärkere Erdbeben möglich sind, zeigte sich zuletzt am 30. März, als im südlichen Wiener Becken die Erde bebte. Das Beben mit Epizentrum bei Breitenau im Steinfeld hatte laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) eine Magnitude von 4,6 und war das stärkste in Österreich seit 11. Juli 2000.

Innerhalb von zwei Wochen – zwischen 2. April, 8:23 Uhr und 16. April, 6:08 Uhr – listet die ZAMG 76 Erdbeben in Österreich auf. Das stärkste hatte eine Magnitude von 2,6.

Registriert werden pro Jahr rund 600 in Österreich lokalisierte Erdbeben, von der Bevölkerung wahrgenommen werden von diesen durchschnittlich nur 48.

Schwere Schäden in der Vergangenheit

Das früheste bekannte Beben in Österreich hat sich am 4. Mai 1201 im Raum Katschberg ereignet. Das Epizentrum dürfte sich in Kärnten befunden haben, die Epizentralintensität wird mit 9 auf der zwölfteiligen europäischen Makroseismischen Skala (EMS-98) geschätzt.

1590 hat ein schweres Erdbeben in Ried am Riederberg dazu geführt, dass in Wien die Türme der Michaelerkirche und der Schottenkirche teilweise einstürzten. Große Schäden hatten beispielsweise auch ein Beben in Wiener Neustadt im Jahr 1768 und eines in Leoben 1794 verursacht.

Aus jüngerer Zeit erwähnenswert sind ein Erdbeben im Raum Seebenstein im Jahr 1972, das damals zu Millionenschäden geführt hat, oder das Erdbeben von 1976 im italienischen Friaul, das 989 Todesopfer forderte.

Geringes Gefahrenbewusstsein

Dennoch sind die Österreicher nur unzureichend auf Erdbeben vorbereitet, wie das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) feststellte. Eine repräsentative Befragung hat ergeben, dass 98 % Erdbeben nicht als relevante Gefahr ansehen.

Demnach ist nur jeder dritte Österreicher auf ein Erdbeben vorbereitet.

Typische Erdbebengebiete in Österreich

Alle zwei bis drei Jahre muss in Österreich mit leichten Gebäudeschäden durch ein stärkeres Erdbeben gerechnet werden.

Die meisten fühlbaren Erdbeben haben sich in den vergangenen 21 Jahren in Tirol ereignet (286), gefolgt von Niederösterreich (181), der Steiermark (129), Kärnten (118) und Vorarlberg (80). Während es in Wien kein Erdbeben gab, waren 128 ausländische Beben in Österreich spürbar.

Grundsätzlich können in Österreich aber fast überall Erdbeben vorkommen. Grund ist die Bewegung tektonischer Platten: Wenn sich Spannungen im Untergrund ruckartig lösen, entstehen Erdbeben. In Europa driftet die Adriatische Platte nach Norden und trifft hier auf die Eurasische Platte.

Zu den bedeutendsten tektonisch aktiven Zonen in Österreich, in denen sich die meisten Erdbeben ereignen, zählen das Rheintal in Vorarlberg, das Inntal und seine Seitentäler in Tirol, das Mur- und Mürztal in der Steiermark sowie in Niederösterreich das Semmeringgebiet und das Wiener Becken.

Erdbebensicheres Bauen

Entscheidend für erdbebengerechtes Bauen ist die Erdbebengefährdung jenes Gebietes, in dem die Errichtung geplant ist. Dabei handelt es sich um die Wahrscheinlichkeit des Überschreitens einer durch ein Erdbeben hervorgerufenen Bodenbeschleunigung innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums.

Eurocode-8, das Normenwerk für erdbebengerechtes Bauen in Europa, schreibt dafür eine Nichtüberschreitungswahrscheinlichkeit von 90 % in einem Zeitraum von 50 Jahren vor.

Um bei der Planung von neuen Gebäuden entsprechende Vorkehrungen treffen zu können, werden für das Bundesgebiet fünf Gefährdungsstufen definiert, in denen mit unterschiedlicher, durch ein Erdbeben hervorgerufener Bodenbeschleunigung zu rechnen ist.

Besondere Vorsicht bei Neubauten

In den laut Erdbebengefährdungskarte zur Zone vier zählenden Regionen Wiener Neustadt, Scheibbs, Kindberg, Katschberg, Nassfeld und Innsbruck können die Bodenbeschleunigungen 1 m/s² überschreiten; dort ist besondere Vorsicht bei der Ausführung von Gebäuden geboten.

Das KFV weist allerdings darauf hin, dass viele Bauwerke in Österreich in einer Zeit errichtet worden sind, in der es noch keine Vorgaben für erdbebensicheres Bauen gegeben hat. Fast jedes vierte Gebäude – exakt 23 % – ist hierzulande gefährdet, im Fall von Erdbeben Schäden zu erleiden.

Fragen Sie daher auch Ihren Berater: Wie kann ich mich bestmöglich gegen Erdbebenschäden schützen?

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